Zwischen Fern- und Heimweh 

Es sind drei unscheinbare gelbe Kugeln, die in einem kleinen seidenen Säckchen in einem Fach meines Kleiderschrankes liegen. Hin und wieder greife ich nach diesem Säckchen und dessen Inhalt, führe es ganz nah an meine Nase und nehme den Duft bewusst wahr. „Mmh… So riecht Urlaub.“ Bei den Kugeln handelt es sich um kleine Zitronenseifen aus der Stadt Limone am Gardasee. Immer wenn ich daran rieche, erinnere ich mich an die dort verbrachte Zeit im letzten Sommer. An das Schlendern durch die kleinen Gassen mit den unzähligen Lädchen, an das gute italienische Essen, Zitroneneis und dem Aperol abends am Ufer.  Ja, so langsam steigt in mir wieder das Fernweh. Der Sommer samt Urlaub kann kommen.  
Aber, egal wie schön der Urlaub auch ist, am Ende denke ich mir immer: „Ach, zuhause ist es doch am schönsten!“ Nur, wo ist eigentlich mein Zuhause? Ist es meine gemütliche Wohnung in Mecklar mit Blick auf die kleine Dorfkirche und dem gerade in voller Blüte stehenden Kastanienbaum? Oder ist es mein Platz am großen ausziehbaren Holztisch im Waschhaus meiner Oma, an dem ich schon als Kind gespannt auf das Mittagessen wartete? Oder ist es vielleicht mein Auto, treuer Begleiter bei den vielen Kilometern, die ich auf der Straße verbringe?  
Mir würde es schwerfallen, auf einer Karte festzulegen, wo denn nun mein Zuhause sei. Ich glaube auch, dass das Zuhause nicht zwingend ein bestimmter Ort sein muss. Im Alten Testament wird der Begriff „Haus“ schließlich auch viel weitergedacht. Er steht dort nicht nur für ein Gebäude, sondern kann auch für eine Gruppe von Menschen stehen, die sich miteinander verbunden wissen.  
Mir kommen so einige Menschen in den Sinn, die sich wie ein Zuhause anfühlen. Familienmitglieder; langjährige Freunde, die eigentlich auch Familie sind; Menschen, die mit mir zusammen durch die Abendteuer meines Lebens reisen, in Bebra, Thüringen oder auch mal in Limone am Gardasee. Mein Zuhause ist daher kein bestimmter Ort, sondern es sind die Menschen, die mein Leben immer wieder liebens- und lebenswert machen und die mich auffangen, wenn ich mich im Wirr-Warr dieser Zeit verliere.  
Wo ist dein Zuhause? Oder besser gefragt, was ist dein Zuhause? Vielleicht sind die Sommermonate und alles damit verbundene Unterwegs-Sein eine gute Gelegenheit, mal wieder das eigene Zuhause zu besuchen. Gemeinsam sich in alte Erinnerungen hineinzuträumen und neue zu schaffen und bei alledem zu spüren, wovon schon die Bibel erzählt, dass ein Zuhause auch aus lebendigen Steinen bestehen kann.  
Eine gute Suche! 

Ihr/Euer Vikar Christopher Bischoff 

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