Liebe Gemeinde!

Jedes Jahr aufs Neue freue ich mich auf Ostern. Die bunt bemalten Ostereier. In unserer schönen Region immer wieder auch festlich geschmückte Osterbrunnen. Ostern, das ist ein christliches Fest, das unsere kleine Welt zuhause schmückt und auch Teil des öffentlichen und kulturellen Lebens ist.  
Vor einiger Zeit habe ich ein kurzes Video in den digitalen Medien gesehen, das immer wieder in mir nachklingt: ein amerikanischer Prediger, Alistair Begg (Parkside Church, eine bibel-orientierte und nicht-konfessionelle Kirche) spricht in einer Versammlung von dem Moment, als Jesus neben zwei anderen Menschen am Kreuz hängt. Zwei Verbrecher, die dort nach damals geltenden Maßstäben zurecht hingen. Der eine von ihnen macht sich über Jesus lustig, indem er sagt „Bist du nicht der Christus? Dann rette doch dich und uns!“- gemeint ist hier, dass Jesus sich doch selbst vom Kreuz befreien solle, wenn er die Macht dazu hat. Auch andere haben nur Spott für Jesus übrig. Der andere von ihnen, erkennt in Jesus einen zu Unrecht Verurteilten. Und dann noch mehr, er sagt: „Jesus, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Jesus antwortete ihm: „Amen, das sage ich dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Als Jesus schließlich am Kreuz stirbt, verstummt der Spott und Schaulustige schlagen sich als Zeichen der Buße mit der Hand auf die Brust (vgl. Lk 23). 
Was der Prediger im Video schafft, ist die Kreuzigung auf respektvoll unterhaltsame und gleichzeitig religiös ernste Weise zu beleuchten. Er sagt sinngemäß zur Versammlung: „ich kann es garnicht abwarten, bis ich eines Tages den Typen treffe, der Jesus am Kreuz ein bisschen Glauben schenkte. Dann würde ich ihn fragen: wie ging es weiter für dich?“ Er wendet sich an die durch seine sympathische Art gut unterhaltene Versammlung und inszeniert einen Dialog mit dem Mitgekreuzigten: „du warst nie in einer Bibelstunde, du wurdest nie getauft und hast nie über Kirchenmitgliedschaft nachgedacht- und trotzdem hast du es ins Himmelreich geschafft! Du hast es wirklich geschafft! Wie hast du das geschafft?“ Der Prediger sagt zur Versammlung, das würde vielleicht auch ein Engel am Himmelstor gesagt haben: „wie kommst du denn hierher?!“ Dann würde der Mitgekreuzigte schulterzuckend sagen: „Naja, keine Ahnung.“ Dann schmückt der Prediger die Szene weiter aus zu einem Dialog an der Himmelstür. Der Engel holt seinen Supervisor-Engel, also seinen Chef, und sagt: „wir haben eine Frage an dich: bist du sicher, dass du die Lehre von der Rechtfertigung richtig verstanden hast?!“ Die beiden Engel wenden sich dem Mitgekreuzigten zu und fragen ihn unsicher und zögerlich: „auf was für einer Grundlage bist du hier?“ Der Mann sagt: „der Mann am mittleren Kreuz hat gesagt: ich kann kommen.“ In diesem Moment wandelt sich die humorvolle Darstellung des Predigers in Nachdenklichkeit bei seinem Publikum, weil sie verstehen: das ist wahrhaftig Gottes Gnade. Mit dem Staunen über diese Erkenntnis endet das Video. 
Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und auch im religiösen Leben spielt sich immer wieder die Haltung oder die Idee ein, dass wir selbst es doch sind, die irgendetwas tun müssen: gesünder ernähren, besser beten, mehr Gottesdienste besuchen, mehr Bibel lesen, gerechter und friedlicher und liebevoller leben. Darüber vergessen wir manchmal das Entscheidende in unserem Glauben: dass Gott es ist, der uns aus lauter Gnade und Menschenfreundlichkeit annimmt und liebt und einem Platz in seinem Himmelreich bereitet hat. Gottes Liebe verändert unser Leben und unsere Welt. Gottvertrauen, Dankbarkeit und Demut sind unsere Antwort darauf, uns innerlich mit dem schmücken, was Gott für uns getan hat und tut. 

Ihr Pfarrer
Christoph Brunhorn

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