Liebe Leserinnen und Leser,

Na? Haben Sie erkannt, wer Sie da anblickt? Ich gebe zu, so ganz leicht ist es nicht. An dieser Malerei haben sichtlich mehrere Jahrhunderte ihre Spuren hinterlassen. Einiges an Farbe ist abgebröckelt. Der Rest an Farbe, der noch da ist, ist sichtlich verdreckt – vom Kerzenruß, vom vergangenen Weltgeschehen und einfach von der Zeit, die immer ihre Spuren hinterlässt; nicht nur an Kunst, sondern auch am Leben.

Wie sieht denn Ihr Leben nach diesem Jahr aus? Wurde es ein bisschen strahlender? Sind neue Farben dazugekommen? Oder hat es an manchen Stellen eher gebröckelt? Haben dunkle Töne an Macht gewonnen?

Aber erstmal wieder zurück zu diesem Bild. Nun verrate ich Ihnen auch, wer uns da anblickt: Es ist eine Maria. Dieser Bildausschnitt stammt aus der Kirche in meinem Heimatdorf. Gut versteckt auf der Rückseite des Altars ist dort der Besuch des Engels Gabriel bei Maria auf Lindenholz ins Bild gefasst und hat bis heute die Jahrhunderte überdauert. Von den meisten Menschen wird diese Maria übersehen. Mich aber fasziniert sie immer wieder. Denn durch die Zeiten hindurch ist ihr freudiger, leicht verträumter und dennoch erwartungsvoller Blick erhalten geblieben.

Sind Sie noch erwartungsvoll? Erwarten Sie etwas von diesem Advent und von dem neuen Jahr, über dem die Losung steht: „Siehe, ich mache alles neu“? Und wenn Sie etwas erwarten – ist dann auch Gutes dabei?

Dieser erwartungsvolle Blick der Maria ist für mich viel mehr als nur ein bloßer Blick. Er steht für eine Haltung, die Überraschendes erlaubt und die daran glaubt, dass es neben den vielen schlechten Nachrichten auch noch genügend gute gibt, sofern wir ihnen einen Blick schenken. Maria ließ sich laut dem Lukasevangelium auf die gute Botschaft des Engels ein und brachte so das Göttliche als Kind zur Welt; hineingeboren in eine Welt, die auch damals schon unfair, verletzt und alles andere als heil war. Das ist die Welt leider bis heute geblieben.

Wie gut wäre es da, wenn auch die Blicke bleiben oder wieder mehr werden würden, die das Gute erwarten. Ich zumindest will versuchen, mit einem solchen Blick durch den Advent ins neue Jahr zu gehen. Schließen Sie sich doch an! Und wer weiß – vielleicht bringen wir dadurch, wie Maria, ein bisschen Göttliches in diese Welt.

Ihr/Euer Vikar
Christopher Bischoff

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