„Wann wird’s mal wieder richtig Sommer…“
So sang es einst Rudi Carrell. Ich sitze Anfang August in meinem Büro und die andauernde Hitze und fehlender Regen sind in aller Munde. Hier in unserer Region ist die Ernte eingefahren mit guten bis mittleren Erträgen für das Getreide. Die Pegelstände der Flüsse sind auf Rekordtief, so dass Frachtschiffe nur noch bedingt fahren können.
Hitze, Dürre und Waldbrandgefahr – die Schlagworte des Sommers, werden bis in den Herbst hinein Auswirkungen haben. Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln werden durch die Hitzeperiode des Sommers nicht die gewohnten Erntergebnisse zeigen können.
Und doch feiern wir Erntedank, spürend und wissend, dass trotz allem genügend für uns da sein wird, und unsere Tische reichlich gedeckt blieben.
Ich spiele gerne mit meinen Kindern oder auch den Schüler(innen) das Geschicklichkeitsspiel „Bamboleo‘. Eine Scheibe aus Holz balanciert auf einer Korkkugel, die auf einem Ring liegt. Es geht nun darum, Holzklötzchen auf der Scheibe zu platzieren, ohne dass diese herunterrutschen. Reihum darf jeder ein Klötzchen setzen. Sie sind unterschiedlich groß und schwer.
Ziel ist es, alle Klötzchen auf der Scheibe unterzubringen und dennoch in der Balance zu bleiben. Bei diesem Spiel gewinnen oder verlieren wir zusammen. Es gibt keinen einzelnen Sieger oder Verlierer und man darf sich gegenseitig auch beraten, wo es denn günstig wäre, das Klötzchen abzulegen.
Für mich ist dieses Spiel ein Bild für unsere Situation. Wir drohen aus der Balance zu kommen. Wo setzen wir das nächste Klötzchen? Was stellt das Gleichgewicht wieder her? Wie können wir es schaffen, die Extreme abzumildern, damit wir alle gewinnen?
Ein neu gepflanzter Baum auf dem Marktplatz bringt wenig. Ein Dutzend Bäume sorgt für Schatten und Kühlung mitten in der Stadt. Ein Solarpanel am Balkon hilft nur ein kleines bisschen. Viele Kollektoren auf unseren Dächern, möglichst mit Speichern, können den Eigenbedarf an Strom decken helfen und den Verbrauch von Kohle, Öl und Gas deutlich mindern. All das sind kleine Bauklötzchen, die helfen in Balance zu kommen und zu bleiben.
Unser Gott hat uns Erfindungsreichtum, Forschungsdrang und Überlebenswillen mit auf den Weg gegeben. Was aus unserer Welt wird, ist kein Schicksal, dem wir uns ergeben müssen. „Bebauen und bewahren“ lautet der Schöpfungsauftrag. Das sind meine GeDANKen zur ERNTE 2026!
Ihr Pfarrer
Martin Schacht
