Liebe Gemeinde!
am 27. Mai jährt sich der 350. Todestag des wohl bekanntesten Evangelischen Liederdichters: Paul Gerhardt. In unserem aktuellen Gesangbuch finden sich 26 Lieder, die er gedichtet hat: Advents- und Weihnachtslieder, Schöpfungslob, Passions- und Osterlieder, Glaubens- und Trostlieder. Die theologische Tiefe macht sie so wertvoll bis heute.
Geboren wurde Paul Gerhardt am 12. März 1607 im sächsischen Gräfenhainichen, besuchte in Grimma die Fürstenschule, studierte in Wittenberg, arbeitete als Hauslehrer und später als Pfarrer in Berlin, Mittenwalde und Lübben, wo er am 27. Mai 1676 im Alter von 70 Jahren starb. Er arbeitete mit dem Kantor Johann Crüger zusammen, der viele Lieder Paul Gerhardts mit Melodien versah und in seine Gesangbücher aufnahm. Über 120 Lieder fanden in dieser Zeit Eingang in Evangelische Gesangbücher.
Kurz vor Ende des 30-jährigen Krieges dichtet er das Osterlied: ‚Auf, auf, mein Herz mit Freuden‘. Bilder des Krieges werden aufgenommen. Strophe 2: Er war ins Grab gesenket, / der Feind trieb groß Geschrei; / eh er’s vermeint und denket, / ist Christus wieder frei / und ruft Viktoria, (Sieg) / schwingt fröhlich hier und da / sein Fähnlein als ein Held, / der Feld und Mut behält.
Der österliche Glaube kommt in Strophe 6 sehr gut zum Ausdruck: Ich hang und bleib auch hangen / an Christus als ein Glied; / wo mein Haupt durch ist gangen, / da nimmt er mich auch mit. / Er reißet durch den Tod, / durch Welt, durch Sünd, durch Not, / er reißet durch die Höll, / ich bin stets sein Gesell.
Im Lied stehen wir mit Paul Gerhardt an Jesu Krippe im Stall, unter Jesu Kreuz, sehen sein Haupt voll Blut und Wunden und werden mitgerissen durch Tod und Hölle zum Leben als Christi Gesell.
Wunderschön und bis heute sehr beliebt sein Schöpfungslied ‚Geh aus mein Herz‘. Nach der eindrücklichen Beschreibung der Schöpfungswunder Gottes, kommt in der Mitte des Liedes das „Ich“ des Liederdichters zu Wort: Ich selber kann und mag nicht ruhn, / des großen Gottes großes Tun / erweckt mir alle Sinnen; / ich singe mit, wenn alles singt, / und lasse, was dem Höchsten klingt, / aus meinem Herzen rinnen, / aus meinem Herzen rinnen.
Die Schönheit der Natur wird zu einem Bild für das Paradies, dem wir entgegengehen. Im selben Jahr, 1653, der 30-jährige Krieg liegt 5 Jahre zurück, dichtet er auch ‚Befiehl du deine Wege‘. Bis heute ein oft gewähltes Lied bei Trauerfeiern. Er dichtet entlang des Hauptverses aus Psalm 37: „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird‘s wohlmachen.“ Was er hier hoffnungsvoll und voller Vertrauen in Gott dichtet, wird sich bald selbst in seinem Leben bewähren müssen. Paul Gerhardt heiratet spät mit 48 Jahren. Drei seiner vier Kinder sterben, Auch seine Frau verliert er nach nur 11 Ehejahren. Er weiß: ‚Ich bin ein Gast auf Erden‘, die Heimat ist droben.
Sehr beliebt und voller Lebensfreude das Morgenlied ‚Die güldne Sonne‘. Mit Paul Gerhardt lässt sich zuversichtlich in jeden neuen Tag gehen, denn wir glauben: Abend und Morgen / sind seine Sorgen; / segnen und mehren, / Unglück verwehren / sind seine Werke und Taten allein. / Wenn wir uns legen, / so ist er zugegen; / wenn wir aufstehen, / so lässt er aufgehen / über uns seiner Barmherzigkeit Schein.
Ihr Pfarrer
Martin Schacht
